Ikarus‘ Absturz

Kinder, Kinder! Da schwinge ich wie so ein Äffchen an der Schaukel. Mit ganzem Gewicht hole ich Schwung, nur um weniger Zentimeter höher zu kommen. Die Kinder auf dem Spielplatz sind begeistert. Für wen auch sonst mache ich es. Sie sollen toben, sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, jaulend über den Sand tollen. Rasend will ich sie und hole Schwung, lehne mich zurück und strecke die Beine in den Himmel. Trete ein Flugzeug, dass in klarer Luft nur wenige Zentimeter entfernt erscheint – als Miniatur, greifbar nahe. Ich spiele Fußball mit dem Flieger und schon hat mich die Erdanziehung wieder. Mein Körper drückt auf das Schaukelbrett, die Ketten straffen sich, mein Magen presst auf die Blase. Vornüber lasse ich die volle Schwerkraft meinen Schädel spüren, mir wird leicht schwindelig. Der Wind rauscht in meinen Ohren, die Kinder schreien: „Höher, höher!“

„Der Ärmste, der macht noch einen Überschlag.“ Eine warme Stimme reißt mich aus dem Wahn, ehrgeizig den Wunsch der Kinder zu erfüllen. Ich recke den Kopf und suche den Spielplatz ab. Eine Frau stand da, sie schaute mir zu. Ein blumiges Sommerkleid trug sie, obwohl die Kühle in meinen Fingern stach. Laut Kalender ist Frühjahr, doch die Temperaturen sind noch nicht über zehn Grad gekommen. Sie lächelte und ich kam ins schlingern. Rasch verlor ich an Höhe wie Ikarus, der die Sonne berührt hatte. Jetzt hockte sie mit den Kindern im Sand. Was machte sie da? Ich sprang von der Schaukel und näherte mich ihr zögernd. Wilde blonde Haare bedeckten ihren Kopf. Sie schaute auf und lachte: „Der Überflieger! Ob ich mal hier schauen will?“, frage sie mich. Ich lehnte mich über ihre Schulter und sah ein Herz in den Sand geformt. Mir wurde heiß, jetzt hätte ich auch kurze Hosen tragen können. In meinen Haaren juckte es. „Hallo!“, sagte ich. Die Kinder lachten.

Es wird Zeit wieder in Form zu kommen

Wird echt mal wieder Zeit mehr für mich zu tun! Die letzten Monate waren ja schon ziemlich chaotisch, neu und aufregend, stressig und manchmal auch echt nervig! Und wenn ich mich so im Spiegel betrachte, dann hat das Ganze auch seine Spuren hinterlassen. Nicht nur, dass ich gefühlt 100 Falten mehr habe (ich hoffe, dass das einen Mann auch wirklich interessanter macht!?!), ich bin auch ein bisschen aus dem Leim gegangen. Im Gegensatz zu den Meisten, die bei Stress und Chaos abnehmen, weil sie entweder kein Appetit mehr haben oder nicht zum Essen kommen, gehöre ich wohl zu denen, die aus Frust wegen Stress und Chaos alles in sich reinschaufeln, was einem in die Hände fällt. Ich kann ja sowieso nicht kochen, jedenfalls nicht richtig und dadurch ernähre ich mich in der Regel eher ungesund.
fitness
So lange ich zum Sport gehen konnte und ich mich an den Gewichten austoben konnte, war das auch immer problemlos! Es hat sich zumindest ausgeglichen. Nur bin ich in den letzten Wochen und sogar Monaten kaum bis gar nicht ins Fitnessstudio gekommen! Normalerweise bekomme ich dann immer ziemlich schnell Entzugserscheinungen, aber die blieben diesmal aus! Oder ich habe sie vor Stress nicht mitbekommen! Aber wie auch immer: meine Arme sind dünn geworden, mein Bauch ist schwammig und mein Gesicht aufgedunsen…kein schöner Anblick, sag ich euch! Zum Glück war der Sommer eh nicht so berauschend, so dass ich mich so nicht im Freibad sehen lassen musste. Der Sommer ist vorbei und ich muss dringend was tun, denn der nächste Sommer kommt bestimmt und obwohl Tatjana noch nichts gesagt hat, sehe ich es, wie sie mich erschrocken anstarrt, wenn ich mein Shirt ausziehe :-(

Verliebt? Kann sein!

So langsam kommt der Alltag zurück! Wir sind jetzt richtig in unserer Wohnung angekommen und trotz einiger Differenzen sind wir noch zusammen und auch glücklich, denke ich mal! Es ist schon was anderes mit einer Freundin zusammen zu wohnen. Das ganze Weiberzeug im Bad, in der ganzen Wohnung. Abends kann ich nicht einfach mehr das in der Glotze gucken, worauf ich Bock habe (P.S. ein zweiter Fernseher muss her!!!), Zwar schmeiße ich immer noch meine Sache überall hin, aber dafür bekomme ich auch regelmäßig einen Anschiss! Das alles könnte einem echt auf den Sack gehen und wenn ich noch ein halbes Jahr zurückdenke, dann wäre es mir sehr wahrscheinlich auch ziemlich gegen den Strich gegangen. Aber mit Tatjana ist es irgendwie anders.
Mich stört es nicht, wenn ich mal einen Abend keinen Fußball schaue und mir stattdessen irgendwelche Doku-Soaps reinziehen muss. Bisschen lustig sind die ja auch! Und auch wenn das Schlafzimmer jetzt fliederfarbend ist und nach Vanille riecht, ich liege trotzdem gerne mit ihr dort im Bett und mache Faxen. Ein Kumpel meinte letztens, dass ich voll verliebt sein muss, um so ein Pantoffelheld zu werden. Und da habe ich zum ersten Mal darüber nachgedacht: bin ich verliebt? Fühlt sich das so an? Keine Ahnung, ich war es noch nie, aber ich bin glücklich, wenn wir zusammen sind und ich denke an sie, wenn sie nicht bei mir ist! Wenn das so ist, wenn man verliebt ist, ja dann bin ich es wohl! Schlimm finde ich es nicht, nur ein bisschen ungewohnt vielleicht!!! Jetzt weiß ich aber gar nicht so richtig, was ich machen soll!?! Sollte ich mir ihr darüber reden, sollte ich es ihr sagen, was ist, wenn sie nicht so fühlt? Aber wäre sie sonst mit mir zusammengezogen?! Unwahrscheinlich!!!

Alles neu und farbig…Nein Danke!

Ich hab schon eine Weile nichts mehr von mir hören lassen, tut mir echt Leid. Aber ich hatte auch alle Hände voll zu tun und einen Internetanschluss ja auch nicht! Der wurde vor drei Tagen erst freigeschaltet und ich kann endlich meine WWW-Sucht wieder ausleben!
Was ist in den letzten Wochen passiert? Natürlich unser Einzug in unsere erste Wohnung! Ziemlich stressig war es, aber so langsam sind wir eingerichtet. Und wenn man es so sagen will, dann hatten wir in der Zeit unsere erste kleine Beziehungskrise!
Es fing schon an, als wir die Wohnung streichen wollten: welche Farben nehmen wir? Ich wusste nicht, dass man Wände unbedingt farbig machen muss. ich dachte wir weißen das ganze und gut ist! Aber nein, das wäre ja auch zu einfach gewesen. Die Farbauswahl überließ ich ihr, was wohl der erste Fehler war!?! Ich bin ja eigentlich tolerant, aber in einer Wohnung, die nur flieder, mintgrün und bourdeaux an den Wänden hat, kann ich mich unmöglich wohl fühlen! Fehlt nur noch, dass unser Geschirr pink ist und ich mein Wasser aus Prosecco-Gläsern trinken muss! Nach einer ordentlichen Diskussion am Rande eines Streits haben wir einen Kompromiss gefunden. Schlafzimmer und Bad wurden gestrichen, Wohnzimmer, Kleines Zimmer und Küche bleiben weiß oder bekommen nur ganz wenig farbliche Akzente!
Auch die Wohnungseinrichtung lief nicht reibungslos ab. Da wir uns keine großen finanziellen Sprünge erlauben können, mussten wir größtenteils improvisieren, was Tatjana mal so gar nicht gefiel! Auch meine Vorschläge wurden und werden regelmäßig von ihr kritisiert und torpediert! Aber wie heißt es so schön…der Klügere gibt nach! Also durfte sie einrichten und ein paar neue Möbel haben wir uns auch gekauft, zwar auf Pump, aber egal! Aber vielleicht suche ich mir doch besser noch einen Nebenjob, falls es so weiter gehen sollte!?!

Neue Eltern braucht das Land

Der Umzug steht nun kurz bevor. Wir können schon etwas früher in die Wohnung, müssen aber erst am dem 1.7. zahlen, auch nicht schlecht! Ich hatte bis gestern kein Kontakt mehr zu meinen Eltern. Zwar hatten sie ein paar mal versucht, mich anzurufen, was ich aber schön ignoriert habe! Ich hatte ja ein bisschen gehofft, dass sie sich entschuldigen wollten oder dass wir wenigstens noch mal darüber reden würden, aber nix da. Sie wollten nur wissen, was denn mit meinen restlichen Sachen aus meinem Zimmer werden soll. Mein Schrank, meine Schlafcouch, meine Kommode. Wäre ich nicht gestern vorbeigefahren, um die Möbel abzuholen, dann hätten sie die wahrscheinlich zum Sperrmüll gebracht! Wenn das mal keine tollen Eltern sind!!! Keine Ahnung was die so dringend aus meinem Zimmer machen wollen: ein Fitnessraum vielleicht? Hätten sie aber auch dringend nötig! Aber was kümmert es mich noch. Sie haben ja noch nicht mal gefragt, was ich denn jetzt mit meinen Möbel mache, ob ich eine Wohnung habe oder sonst was! Ich scheiße auf meine Erzeuger und sie wohl auch auf mich! Vielleicht brauchen wir ja einfach noch eine Weile Abstand voneinander. Aber mittlerweile ist es mir auch ziemlich egal, ob es noch was wird oder nicht!
Tatjanas Eltern sind eh viel netter und cooler! Ich will ja nicht sagen, dass sie meine Ersatzeltern werden sollen, aber obwohl sie mich noch kaum kennen, behandeln sie mich jetzt schon, wie einen Sohn. Und man kann sich ganz normal mit ihnen unterhalten, was ja mit meinen Alten kaum mehr möglich war! Aber genug gejammert: ein neuer Lebensabschnitt beginnt und ich freue mich schon sehr darauf! Das Gefühl kannte ich schon gar nicht mehr: Freude!!!